Systemsprenger Film

Seit September 2019 läuft der Film „Systemsprenger“ in den Kinos. Ein Film, in den viele Lehrer, Mitarbeiter vom Jugendamt, Erzieher und Psychologen gegangen sind, gehen und noch gehen werden. Ein Film, in den angehende Lehrer und Erzieher gehen müssen.

 

Schon im Vorfeld habe ich mir die Filmvorschau und Interviewers der Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Fingscheidt angeschaut. In dieser Vorabinformation hatte ich den Eindruck, dass es ein besonderer Film sein wird. Hier wurden vorab Hausaufgaben gemacht. Ich möchte nicht den Inhalt des Filmes wiedergeben, darüber kann man sich ohne Probleme selbst informieren.

 

Ich habe ich mich darauf eingelassen und mir den Film angeschaut.
Fazit: Es ist ein guter Film, über den man eine Menge reden kann. Ich war erstaunt, wie viele unterschiedliche Sichtweisen seitens der Zuschauer es gibt, wie viele Deutungsweisen über das Ende des Filmes.

 

Im Gespräch mit Kollegen und Freunden, kamen einigen sofort Schüler/Kinder aus den vergangenen Jahrgängen, aus derzeitigen Klassen in Erinnerung. Und oft war die Hilflosigkeit der verschiedenen Institutionen, die wir selbst erleben mussten und leider bis heute immer müssen, zu spüren.
Gott sei Dank ist nicht jedes Kind ein „Systemsprenger“ und in Gesprächen habe ich Meinungen gehört, wo auf einmal in den Schulen angeblich nur „solche“ Kinder sind. Das stimmt nicht. Hier muss man ernsthaft aufpassen, nicht alle Kinder, die „verhaltensoriginell“ sind (manche würden einfach ausgedrückt „ungezogen“ sagen) über einen Kamm zu scheren.


Es gab und gibt immer wieder Kinder/Jugendliche, die einen Erzieher und /oder Lehrer herausfordern. Und nach Jahren der Erfahrung muss ich immer wieder feststellen, wie schwierig es ist, dem Kind gerecht werden zu können. Jeder versucht, dass alles in den Grenzen/ Schranken bleibt, das nichts darüber hinaus „explodiert“, „gesprengt“ wird. Und wir sind froh, wenn solche Situationen gut ausgegangen sind. Wenn es aber mal nicht so funktioniert, dann braucht der Lehrer/ Erzieher Hilfe. Und jetzt stoßen wir an Grenzen, im Vorfeld oft an die Grenzen der Bürokratie.


Die Bearbeitungszeiten sind lang, zu lang. Vorgespräche, Termine, die nicht eingehalten werden und die Zeit läuft. Wie bei Benni im Film. Es dauert zu lange, man weiß nicht, wohin mit dem Mädchen. Und es kommt in Institutionen, die nicht für solche Situationen ausgerüstet sind. Ich war sehr angenehm angetan, dass eben nicht das Projekt in Afika als Lösung und Ende des Filmes genommen wurde. Denn so einfach ist leider nicht.


Es erfolgten im Film keine Schuldzuweisungen. Auch das finde ich gut. Natürlich erlebt jeder Zuschauer es sehr subjektiv und beschuldigt definitiv. Ob das die Mutter, die Erzieher, die Lehrer oder die Vertreter vom Amt sind.


Schon lange ist das bestehende Schul- und Betreuungssystem überholt und nicht zeitgemäß. Deswegen ist der Film so wichtig. „Systemsprenger“ ist ein Film zum Reden und zum Wachwerden.

Autor: Grit

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